Manfred Horschke – ein Leben für Aikido
Mit Manfred verlieren wir einen Menschen, der unsere Aikido-Abteilung über Jahrzehnte geprägt hat. Mit 88 Jahren ist er plötzlich und unerwartet verstorben. Sein Hakama war bereits fürs nächste Training in Aichtal gepackt. Dass er nicht mehr mit seinem Koffertrolley zum Training kommen wird, ist etwas, das wir alle nicht wahrhaben wollen.
Manfred hatte immer ein kleines Lächeln auf den Lippen. Selbst eine volle Matte oder viele Aufgaben gleichzeitig brachten ihn nicht aus der Ruhe. Er nahm sich Zeit für jeden, schaute genau hin und achtete auf Gerechtigkeit, ohne kleinlich zu werden. Er hat uns nicht nur Aikido vermittelt, sondern die Werte, die dahinterstehen, selbst vorgelebt, und das mit Respekt, Bescheidenheit, Geduld und Menschlichkeit.
Sein Aikido-Weg begann 1971 mit Franz Ekat (4. Kyu), der einarmig Aikido praktizierte und unterrichtete. 1982 bestand Manfred seine Prüfung zum 1. Dan, 1987 folgte der 2. Dan und 1995 der 3. Dan. Den 4. Dan erreichte er 2005 mit 67 Jahren. Er wollte immer weiterlernen: 1989 erwarb er deshalb sein erstes Übungsleiterzertifikat, gefolgt von zahlreichen Lehrgängen und Weiterbildungen. Auch nach schweren gesundheitlichen Rückschlägen kehrte er auf die Matte zurück. Noch mit 88 Jahren stand er nach jeder Fallübung wieder auf und machte weiter.

1985 übernahm Manfred von Berthold Krause die Leitung der Aikido-Sektion der TSG Reutlingen. 33 Jahre lang führte er sie mit Herzblut. In diese Zeit fielen 1995 die Eröffnung unseres Dojos in der Planie 22 und 1999 die Umwandlung der Sektion in eine eigene Abteilung der TSG. Er förderte seine Schüler, übertrug ihnen Verantwortung und brachte mit ihnen das Aikido in Reutlingen voran. Neben tausenden Trainingsstunden engagierte er sich auch über Jahrzehnte im Kinder- und Jugendferienprogramm der Stadt Reutlingen.
2009 erhielt er die Goldene Ehrennadel der TSG Reutlingen. Bescheiden blieb er trotzdem. Auszeichnungen und Graduierungen stellte er nie in den Vordergrund. 2018 gab es für Manfred einen schweren Abschied: Er übergab die Abteilungsleitung an Gunnar Beschle. Es fiel ihm schwer, doch unserer Gemeinschaft blieb er weiterhin eng verbunden.
In Erinnerung bleiben auch die kleinen Dinge. Zum Training kam Manfred meistens zehn Minuten zu spät, aber er kam sicher. In der Umkleide brauchten der korrekt sitzende Hakama und das spätere Zuknöpfen seines Hemdes ihre Zeit. Dabei entstanden viele Gespräche über Aikido, Astronomie, Technik und vieles mehr. Manfred war belesen, neugierig und im Kopf immer jung. Noch mit 88 Jahren las er E-Mails auf dem Smartphone und trug ein Headset am Ohr.
Als unser „Passmeister“ kümmerte er sich zuverlässig um die Aikido-Pässe. Er hatte seine Ordnung in der Unordnung und erinnerte sich an Dinge, die andere längst vergessen hatten. Zu seinen großen Leidenschaften gehörten sein Aquarium und die gemeinsamen Wander-Grill-Ausflüge mit den Aikidoka. Und so unscheinbar Manfred wirkte: Vor seinen Aikido-Griffen hatten auch die Jüngsten gehörig Respekt.
Lieber Manfred, wir danken dir für deine Zeit, deine Geduld und alles, was du uns mitgegeben hast. Vieles davon werden wir weitergeben. Du wirst uns fehlen – auf der Matte, bei unseren Ausflügen und bei all den Gesprächen, die wir gerne noch mit dir geführt hätten.
Deine Aikido-Abteilung und die TSG Reutlingen